Nerdige Gedanken vom und zum Radfahren

Flexstrom-Betroffenen-Treffen bei WAZ-Recherche


Strom

Gerade eben erfuhr ich von Daniel Drepper via Twitter, dass sich in den Kommentaren von WAZ-Recherche zu einem Beitrag über Flexstrom und deren Tochtermarke "Löwenzahn" interessante Kundengespräche abspielen. Meiner Meinung nach ist WAZ-Recherche ein unheimlich lesenswerter Blog, den jeder in seinem RSS-Reader haben sollte. 

Beim Lesen in den Kommentaren schwankte ich zwischen Schaudern und Mitleid. Man kann gar nicht oft genug das "Drum prüfe ..." predigen. Daher:

Es kommt nicht nur auf den Preis an

Jeder, der mit dem Gedanken spielt seinen Stromanbieter zu wechseln, sollte sich neben der möglichen Einsparung auch dringend mit dem allgemeinen Ruf des ausgesuchten Anbieters beschäftigen.

Ich habe das in den letzten Jahren für mich, Bekannte und Verwandte immer mal wieder machen müssen. Es ist teilweise erschreckend, wie weit man in den - nach Preis sortieren - Ergebnislisten der üblichen Vergleicher nach unten scrollen muss, um einen nach meinen Kriterien zumindest annähernd brauchbaren Anbieter zu finden.

Dabei ist es dann erstaunlich, dass sich die Preise dann gar nicht unbedingt so stark unterscheiden.  Man scrollt und scrollt und denkt wunders wie viele hunderte Euro man jetzt schon "überscrollt" hat. Dann stellt man erschrocken und erleichtert fest: "Ach, der ist ja nur 20 EUR teurer im Jahr als der günstigste Treffer ..."

Mal ganz kurz was man beim Stöbern in den Ergebnislisten unbedingt beachten sollte:

  1. Die ausgewiesene Ersparnis beim Vergleicher richtet sich fast immer nach den Preisen des Grundversorgers in Ihrer Region.
    Ist man da aber schon nicht mehr Kunde, kann man mit ein bisschen Suchen meist auch seinen aktuellen Anbieter auswählen.
  2. Mögliche Neukundenrabette im ersten Jahr sind bei der ausgewiesenen Ersparnis immer berücksichtigt.
    Diese Rabatte sind aber nicht unbedingt garantiert und bei einigen Anbietern ohnehin fraglich. 
  3. Beachten Sie die Bedingungen des Neukundenrabattes und ob die sonstigen Bedingungen, besonders die Preisbindung, darauf angepasst sind.
    Beispiel: Der Neukundenrabatt wird erst gültig, wenn Sie mindestens ein Jahr Kunde waren. Die Preisbindung ist aber auf 6 Monate beschränkt. Dann kann das bedeuten, dass der Anbieter nach 6 Monaten den Preis anheben könnte. In diesem Fall haben Sie in der Regel ein Sonderkündigungsrecht und können den Anbieter erneut wechseln. Allerdings wäre dann auch ihr Neukundenrabatt nicht fällig. Ihr Anbieter könnte das dann so genau kalkulieren, dass es für Sie günstiger ist das Jahr voll zu machen - auch wenn am Ende von der anfänglich erhofften Ersparnis nicht mehr viel übrig bleibt.
  4. Achten Sie auf Zweitmarken, Zweittarife und Zweitgesellschaften
    Viele der Stromanbieter haben inzwischen mehr als eine Marke oder Tarif am Markt. Das erlaubt den Anbietern sich mehrfach in den Vergleichslisten zu positionieren und die Liste künstlich zu verlängern. Der Apfel fällt aber nie weit vom Stamm. Gibt es schlechte Erfahrungen und Meinungen mit der Muttergesellschaft, würde ich die Finger von den Zweitmarken lassen. Auch die Sache mit den Neukundenrabatten sollte bei diesen Marken und Tarifen ganz genau studiert werden. Häufig gilt man bereits als Bestandskunde, wenn man in den letzten Jahren schon mal Kunde der Muttergesellschaft war und andersherum. Also aufpassen.
  5. Die Preise richten sich immer nach einem monatlich anfallenden Grundpreis, auf den dann der tatsächliche Verbrauch addiert wird
    Die meisten Preise beziehen sich dabei auf Paketangebote. Sie erhalten eine feste Anzahl von KWh zu einem festen Preis. Erst wenn der überschritten wird, gelten die Kosten je KWh für Sie.
    Machen Sie sich also Gedanken, ob Sie ganz, ganz sicher mit den angegebenen KWh auskommen. Wenn das so sein wird, dann können Sie auch einen Tarif mit niedriger Grundgebühr, aber hohen Preisen je KWh ins Auge fassen. 
    Sind Sie sich aber nicht ganz sicher, ob sie nicht vielleicht doch etwas mehr KWh brauchen, dann vergleichen Sie zusätzlich zum Gesamtpreis, ob sich ein Tarif mit vielleicht leicht höherer Grundgebühr, aber niedrigeren KWh-Preisen findet.
  6. Vertrauen Sie den "Kundenmeinungen" auf den Vergleichsportalen nur bedingt.
    Niemand kann sagen, ob dort wirklich ausnahmslos alle Meinungen angezeigt werden. Schließlich erhalten die Portale eine recht ansehnliche Provision je vermitteltem Kunde - und welcher "Händler" macht schon bewusst die eigenen Produkte madig?
    Aber so oder so wird die Bewertungsfunktion fast ausschließlich von frischen Neukunden genutzt. Einfach weil man unmittelbar nach dem Wechsel zur Meinungsabgabe gebeten wird. Danach ist das aus den Augen und aus dem Sinn.
    Echte Erfahrungen gibt es aber meist erst nach den ersten Monaten oder dann am Ende der Vertragslaufzeit. Daher nutzen Sie Google oder noch besser: Fragen Sie einfach mal bei Facebook & Co. bei Ihren Kontakten nach, ob es gute oder schlechte Erfahrungen gibt. Dem Feedback dort sollten Sie vertrauen können und sicherlich ist das nicht uninteressant.
    Als Dankeschön nutzen Sie doch die "Kunden werben Kunden"-Funktion, die fast alle Anbieter haben. So können Sie einem guten Tippgeber noch was Gutes tun und alle haben was davon.

Meine bisherigen Erfahrungen

Ich oder direkte Bekannte und Verwandte waren bisher Kunden von:

  1. Flexstrom
    Das war in München. Hier war ich von 2006 bis 2008 (glaube ich) und kann wenig negatives Berichten. Da war Flexstrom relativ neu am Markt und soweit ich mich noch entsinne hat immer alles wie erwartet funktioniert. Nur einmal habe ich mich etwas über einen für mich absolut unnützen Reisegutschein beschwert, den ich als treuer Kunde als großes Dankeschön erhalten habe. Da hab ich gedacht die wollten mich für dumm verkaufen.
    Das war so ein Gutschein über ganz tolle 300 EUR, den ich ab einer Reise von 500 EUR einsetzen konnte, aber pro Reise nur zu 3% (oder so) des Reisewertes. Um die 300 EUR also zu verballern hätte ich bei 3% eine Reise von 9.000 EUR buchen müssen. Wer so was verschickt ... ich weiß ja nicht ...

  2. EnBW
    In Stuttgart war ich von 2010 bis Ende 2011 klassisch bei der EnBW. Es gab dort einen Online-Tarif, der nur unwesentlich teurer als die eher unbekannten Marken war. Die Erfahrung war 1a! Das muss man wirklich sagen. Super nette Betreuung, keine Zwänge - immer alles vorbildlich!

  3. 123energie
    Hier hab ich seit 2010 meine Mutter untergebracht und bisher war immer alles in Ordnung. Es mag naiv gewesen sein, aber mein Vertrauen hat 123energie auch durch den Zusatz "eine Marke der PFALZWERKE AKTIENGESELLSCHAFT" gewonnen. Kurz gegoogelt und erfahren, dass die Pfalzwerke ein alteingesessener Konzern sind und das schafft einfach Vertrauen und das ist auch gut so! Seit 2010 ist alles ok und keine Probleme.

  4. RWE
    Tja - bei der RWE war meine Mutter bis 2010. Dann bekam meine Mutter Post. Ein tolles Angebot wurde ihr gemacht. Ich weiß nicht mehr genau was in dem Brief stand, aber die Formulierung war so furchtbar, dass ich den Brief mehrfach lesen musste. Erst nach mehrfachem Lesen wurde klar, dass das tolle Angebot eine ordentliche Preiserhöhung im Gepäck hatte. Wir haben das als Versteckspiel empfunden und uns so geärgert, dass wir gekündigt haben. 
    Im Dezember 2012 kam dann wieder ein sehr merkwürdiges Schreiben. Obwohl meine Mutter seit 2011 kein Kunde der RWE mehr ist, wurde sie angeschrieben mit der Begründung, man wolle auf eine alte Frage von ihr antworten. Wegen der hohen Antragszahlen und der allgemeinen Begeisterung über die RWE käme man aber leider erst jetzt dazu. Nun ja - ich glaube eher, es ging darum einen Grund zu finden die Adresse für das Werbeanschreiben zu benutzen ... aber mühselig sich drum zu kümmern. 

Nieder mit den Neukundenrabatten

Bald bin ich auch wieder dran mich zu informieren und ich wünsche mir eins: Endlich mal für Kundentreue belohnt zu werden! Diese ewigen Neukundenrabatte gehen mir auf den Zeiger. Jedes Unternehmen jammert über den so unrentablen, so wechselfreudigen Kunden. Aber alle kippen fleißig Öl ins Feuer statt mal ordentliche Programme zur Kundenbindung einzuführen. Alle nur von Vertriebszielen und kurzfristigen Stückeplanungen getrieben! Furchtbar! Aber vielleicht erleben wir ja noch ein Revival der Cleveren ...

 

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