Nerdige Gedanken vom und zum Radfahren

Der Mangel an Zeit


Radsport

Hach ist das lästig. Den Sport meine ich. Oder besser: Den Zwang ihn machen zu wollen, obwohl es so viele andere schöne oder wichtige Sachen zu erledigen gibt. Ein wohlwollender Appell an den eigenen inneren Schweinehund.


Mein Rad parkt seit Oktober letzten Jahres genau zwischen Wohn- und Arbeitszimmer. Ich laufe jeden Tag zig mal dran vorbei und nehme es schon gar nicht mehr wahr. Bis gerade. Da habe ich Spinnweben am Lenker entdeckt. Das hat wach gemacht.

Letztes Jahr um die Zeit hatte ich gerade meinen ersten Triathlon hinter mir. Am 01.05.2012 war das. In Amberg in Bayern. Und toll war es. Ein wunderbares Erlebnis und vor allem war ich fit. Zwei Wochen vorher bin ich beim Jedermannrennen in Göttingen die lange Runde gefahren und ein paar Wochen davor in der Regenschlacht bei 8 Grad Rund um Köln. Letztes Jahr. Ich war fit. Aber 2013?! Was ist los? Klar, das Wetter war kacke und nicht nur mir fehlen Elan und Kilometer auf dem Rad.

Aber es gibt noch einen anderen Grund: Ich will mich zu nix zwingen. Seit nun fast 15 Jahren betreibe ich Ausdauersport. Mal mehr und mal weniger intensiv. Das bezieht sich auch auf die investierte Zeit. In den letzten Jahren habe ich gelernt, dass es für alles eine Zeit gibt. Klar ist es ein tolles Gefühl morgen noch vor Sonnenaufgang die ersten Runden zu drehen. Der Tag geht anders los. Man ist direkt in Fahrt und fühlt sich einfach toll. Ja genau. Kenn ich. Hab ich jahrelang gemacht.

Aber manchmal gibt es Phasen, da wacht man auf und hat sofort Themen, Arbeit und Ideen im Kopf. Die Vorstellung jetzt erstmal 1-2 Stunden unproduktiv Sport machen: Ein Graus. Unvorstellbar. Vor ein paar Jahren hab ich mich auch dann noch in die Laufschuhe oder auf das Rad gesetzt. Während des Training dann nachgedacht und versucht die Gedanken zu ordnen. Nicht selten endete das in noch mehr Streß als vorher schon da war. Dieser Zwang den man dann teilweise hat: "Ich wollte doch noch trainieren ...", "Ich müsste aber noch ...", "Ich war doch gestern schon nicht ..." 

Das ist nicht gut. Dieses Jahr hat sehr arbeitsreich begonnen. Wir haben viele, viele spannende und vielversprechende neue Projekte die erledigt sein wollen und müssen. Da will ich mich nicht auch noch selber in die Klemme bringen, mich zwischen der notwendigen Arbeit und dem gewollten Training zu zerreißen.

Vielleicht ist das eines der größten Learnings der vergangenen Jahre für mich: Weg mit dem Zwang. Wenn ich Zeit habe, oder sie mit guten Gewissens nehmen kann, dann möchte ich das tun. Geht es aber nicht, dann ist das so und ich ärgere mich auch nicht drüber. Das funktioniert auch. Über meine eigenen müden Sprüche von vor einigen Jahren "Jeder hat die Zeit zum Laufen! Alles andere sind nur Ausreden" kann ich inzwischen lächeln. Zum Glück. Klar gibt es genügend Poser, die die Zeit zum Sport hätten, aber sich doch lieber auf die Couch legen. Das ist faul! Aber zwischen "faul" und "keine Zeit" gibt es halt einen - inzwischen verständlichen - Unterschied.

Aber zurück zur Spinnwebe. Die muss weg. Ich werde sie nicht abstreifen. Das soll der Wind machen ;) Also raus mit mir! Nächstes Wochenende ist "Rund um Köln". Das bedeutet nochmal Großkampftage in der Organisation vor Ort, aber dann wird es ruhiger und dann ...

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