Nerdige Gedanken vom und zum Radfahren

Kettenverschleiß ermitteln und Kette wechseln


Material

Ich wollte mir neue Faltreifen holen und wie das Internet halt manchmal so ist, bin ich irgendwie in einem Thread zum Verschleiß und richtigen Wechselzeitpunkt der Fahrradkette hängen geblieben. Au Backe, da musste dringend was passieren!

Was ich da gelesen habe, hat mich wirklich erschrocken. Vom Kettenwechsel alle 1.000 Kilometer war da die Rede. Das würde bedeuten, dass ich in diesem Jahr schon 4 Mal die Kette hätte wechseln müssen. Meine Fahrradkette ist immer noch die erste, die auf dem Rahmen war und das ist gute 8.000 Kilometer her. Oh je.
Ich habe dann ein wenig weiter gelesen und dabei festgestellt, dass das mit den 1.000 Kilometern je Kette doch eher ein ganz grober Richtwert ist. Je nach Schaltverhalten, Kettenqualität, Pflege und Druck auf dem Pedal kann eine Kette auch schon mal gut 3.000 Kilometer halten. Aber selbst dann müsste ich dringend was tun.

Warum eine Fahrradkette verschleißt

Mit der Zeit dehnen und biegen sich die Bolzen der Kettenglieder auseinander. Der Abstand der einzelnen Kettenglieder zueinander wird dadurch größer und die Kette in Summe länger. Damit wird sie aber nicht unbedingt instabil - allerdings läuft das Gefüge von Zähnen auf der Kassette und den Zahnkränzen und der Kette aus dem Ruder. Mit der Zeit "schabt" sich die Kette dann die Zähne auf der Kassette und den Zahnkränzen zurecht. Das ist dann ein echtes Problem. Denn wenn man eine neue Kette auf so eine Kassette zieht, kann es sein, dass die neue Kette dann bei Last über die Zähne rutscht. Wir alle kennen das Gefühl, wenn unter Druck die Kette springt und das will keiner haben. Laut allgemeiner Meinung sollte man daher die Kette wechseln, wenn sich der Abstand der einzelnen Kettenglieder um maximal 0,75% vergrößert hat.

Verschleiß mit einer Kettenmeßlehre messen

Dann habe ich noch erfahren, dass man ein Gerät namens Rohloff Caliber zur Verschleißmessung nehmen sollte. Der Händler meines Vertrauens hatte dann auch einen Rohloff Caliber im Angebot. Für läppische 17 EUR hätte ich das Stück gestanztes Blech erstehen können. Sorry, aber dass hab ich nicht eingesehen. Das Ding ist wenig anderes als ein Stück Blech, das man auf die Kette legt. Die eine Seite wird dabei in die Kette eingehakt und die andere Seite versinkt dann je nach Verschleiß mehr oder weniger in der Kette. Oder am besten halt versinkt es eben nicht. Das bedeutet dann, dass die Kette noch in Ordnung ist. Je weiter das Meßende des Rohloff Calibers in der Kette versinkt, um so mehr ist sie verschlissen. Ich habe dann ein wenig gesucht und festgestellt, dass es solche Meßlehren (Bleche) auch noch von anderen Herstellern gibt. Die sehen dann leicht anders aus, aber das Prinzip bleibt immer das gleiche. Zwar kostete die günstigste Variante immer noch 7 EUR - aber eben keine 17 EUR - und so hab ich das Teil zusammen mit einer neuen Kette bestellt.

Meine Wahl fiel dabei auf die Marke KMC - weil ich schon mal bei dem Hersteller war - und ausserdem schienen Preis-/Leistung ganz in Ordnung. Heute kam dann das Geschenkpaket an und ich hab erstmal den aktuellen Kettenverschleiß gemessen. Tja ... das war deutlich, wie ihr auf dem Bild erkennen könnt.

Einsatz einer Kettenmeßlehre zur Verschleißmessung (kein Rohloff Caliber, aber gleiches Prinzip). Links die alte Kette, rechts die neue. Der Unterschied ist deutlich zu erkennen.

Aufpassen beim Kettenwechsel

Der Wechsel der Kette war recht einfach: Bei der alten Kette einen Bolzen rausgedrückt und über die Kassette abgezogen. Dann habe ich die Anzahl der äußeren Kettenglieder gezählt und die neue Kette auf die gleiche Anzahl an Gliedern gekürzt. Bei mir waren das 55 äußere Kettenglieder, inkl. Verschlußglied. Bei meiner KMC-Kette lag ein Kettenverschluß bei. Das Prinzip ist recht einfach und wird in der Anleitung auch kurz erklärt. Die verkürzte Kette zieht man dann im offenen Zustand wieder über Kassette, Schaltwerk und Zahnkränze. ACHTUNG: Achtet drauf, dass die Kette sauber durch das Schaltwerk und den Umwerfer geführt wird. Hier mal nicht aufgepasst, einen Bolzen übersehen und man kann die neue Kette direkt wieder aufmachen. Dann das Verschlußglied dran, ordentlich zu machen und fertig.

Nach dem Kettenwechsel sollte die Schaltung neu justiert werden!

Das habe ich heute erledigt und rein optisch, vom Geräusch und gefühlt läuft die Kette sauber. Das heißt aber nix. In Foren beschriebene einige Radkollegen, dass sie erst dachten sie könnten die Kassette behalten, aber nachdem dann mal richtig Druck auf das Pedal kam, fing die Kette doch an zu springen. Bei mir steht die erste Ausfahrt noch aus. Ich werde das also ganz vorsichtig mal mit mehr und mehr Druck testen. Ich befürchte ja, dass ich nach der Laufzeit auf jeden Fall eine neue Kassette brauche. Aber ich warte mal ab. Die aktuelle Kassette ist jetzt ca. 1 Jahr alt. Also knapp 5.000 Kilometer und vielleicht passt es ja ...

 

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