Nerdige Gedanken vom und zum Radfahren

Mein Fazit vom Sparkassen Münsterland Giro.2013


Regista

Was eine Woche! Ich bin noch richtig, richtig kaputt. Gestern war der Sparkassen Münsterland Giro.2013 - eines der TOP 5 Jedermannrennen in Deutschland. Wir haben von rad-net.regista die Anmeldung und danach auch Ergebnisveröffentlichung und GCC-Gesamtwertung gemacht und waren die letzten beiden Tage vor Ort. Toll war es, aber auch anstrengend.

Nach Rund um Köln war der MLGiro.2013 dieses Jahr und zweites richtig, richtig großes Rennen bei dem wir den kompletten Teilnehmerservice durchgeführt haben. Dazwischen gab es unter anderem noch den ŠKODA VELORACE Dresden, aber für Dresden haben wir nur die Online-Anmeldung angeboten. Die Abwicklung vor Ort hat dann (leider) ein anderer Dienstleister gemacht. Leider, weil mir die Arbeit vor Ort immer mit am meisten Spaß macht. Ich freu mich immer wenn ich andere Sportler treffe und direkt und unmittelbar erlebe, für was man die ganze Arbeit eigentlich macht. 

Da hocken wir am späten Mittwoch Abend in Münster

Bei weit über 4.000 Teilnehmern gab es natürlich am Nach- und Ummeldeschalter auch Einiges zu tun. Fast 300 Vorgänge haben wir am 02. Oktober zwischen 15 und 20 Uhr vor Ort abgearbeitet. Das ging vom Streckenwechsel, über einen Teilnehmertausch bis zur Neuanmeldung von Spätentschlossenen. Dazu kammen noch Nachfragen und das Beheben von kleinen Fehlern in unseren Daten. Meist ging es um falsche Jahrgänge, Rechtschreibfehler im Namen oder falsche Angaben zum Geschlecht. Alles unproblematisch und gut, wenn es vor dem Rennen und dem Ergebnis auffällt. Leider, leider verstehen einige Teilnehmer nicht, dass die Daten direkt von der Online-Erfassungsmaske in die Datenbank und dann auch auf die Startnummer wandern. Die werden nicht nochmal abgetippt oder so was, sondern 1:1 so gespeichert wie eingegeben. Wenn also ein Fehler auftaucht, dann wurde der auch vom Teilnehmer so angegeben. Das kann natürlich jedem mal passieren und ist halt auch nichts Schlimmes. Ärgerlich finde ich dann nur, wenn man doof angeblafft wird "Hier, da habt ihr einen Fehler gemacht! Sehe ich aus wie eine Frau?! Korrigiert das mal! Unglaublich!" - da hilft dann nur die Faust in der Tasche und nicht weiter drüber nachdenken. Für das Problem der Geschlechtsauswahl werden wir aber für das neue Jahr eine technische Fehlerprüfung über den Vornamen einbauen. Es kommt zwar nicht sooo oft vor, aber jeder Fehler ist einer zu viel und das wollen wir nicht.

Zum Glück ist die Idotendichte aber nicht höher als gewöhnlich. Ich sage immer "Auf 100 Leute kommt immer ein Vollpfosten." Nach der Formel hätten wir ungefähr 40 Problemfälle am Schalter haben müssen, war aber weit weniger. So schlimm kann unser Meldesystem also nicht sein ;)

Eigentlich wollte ich dann in Münster auch kurzentschlossen die 95 km fahren. Allerdings war mir von Anfang an nicht ganz wohl bei der Sache. Münster war in diesem Jahr sehr, sehr flach und schon vor zwei Jahren war mir die Strecke dadurch etwas zu voll, obwohl da noch ein kleiner Hubbel das Feld etwas auseinander nahm. Dieses Jahr gab es aber so gar nix Selektives auf dem Kurs. Da war zu erwarten, dass man sich in einem großen Feld über die Strecke schleppt. Ich bin auch einfach zu schlecht, um in so einem Feld nach vorne abzuhauen, aber auch wieder zu schnell, um mich nach hinten fallen lassen zu können. Am Ende hat dann die Vernunft gesiegt und ich hab das mit dem Mitfahren sein lassen. Uns war es wichtiger, dass wir auch am Donnerstag noch vor dem Rennen Teilnehmern mit Problemen helfen konnten und ich hab da halt schon eine gewisse Verantwortung. Zwar würde irgendwie auch alles schon klappen wenn mir was passiert, aber halt irgendwie. Ich hab die meisten Systeme gebaut und bin der, der sich am besten in den Datenbanken und Prozessen auskennt. Es hilft den anderen einfach wenn ich da bin. Also war es schon ganz gut so.

Am Donnerstag vor dem Rennen konnten wir dann tatsächlich noch einem guten Dutzend Teilnehmern helfen. Das ging von kurzfristigem Streckenwechsel weil Start verpasst bis zur Ausgabe neuer Nummern, weil Transponder oder Startnummer zu Hause vergessen wurde ;) Da finde ich es super, wenn wir da unbürokratisch helfen können. Schließlich sind wir selber Sportler und ich weiß einfach wie man sich in den Situationen fühlt. Das war Klasse. Geht aber auch nur, wenn der Zeitnehmer mitspielt. Mikrofunk ist da so flexibel, dass wir eine neue Teilnehmerdatei 5 Min vor Start reingeben können. Wenn andere Zeitnehmer die Datei ein paar Stunden vorher unveränderbar brauchen, dann geht sowas leider nicht. Auch wenn wir das gerne machen würden.

Was mir auch immer "Spaß" macht, sind die Diskussionen wegen der Startblockeinteilung. Da gab es in Münster auch erfreulich wenig und generell gibt es nur 3 Fälle:

  1. Wir haben etwas bei einem Sportler übersehen und es ist ganz klar, dass der Sportler in einen der vorderen Startblöcke gehört.
    So Fehler passieren entweder durch unsaubere Eingabe bei uns (bspw. andere oder falsche Schreibweise von Namen oder Geburtsdatum) oder durch Fehler bei anderen Rennen. Wir machen nun mal mit Name und Geburtsdatum einen Abgleich zu den Ergebnissen anderer Rennen. Wenn das nicht 1:1 passt, dann werden die anderen Ergebnisse nicht gefunden und der Sportler ist für uns ein unbeschriebenes Blatt. Das bedeutet dann hinten anstellen. Aber es ist kein Problem wenn so jemand kommt und sich meldet. Für solche Umbuchungen sparen wir auch immer ein paar Plätze im Startblock ein und alles ist gut.

  2. Krasse Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung
    Das ist der häufigste Fall von "Beschwerden" und der, bei dem es die meisten Diskussionen gibt. Es gibt tatsächlich nicht wenige Teilnehmer, die glauben weil sie sich früh angemeldet haben oder im letzten Jahr schon mal gefahren sind, gehören sie in Startblock A - oder mindestens aber Block B. Diese Leute haben glaub ich noch nie erlebt, wie dort Rennrad gefahren wird. Gerade bei den großen Jedermannrennen ist das vorne schon richtiges Radrennen. Da fahren Leute, die auch in der C-Klasse ohne Probleme Platzierungen einfahren würden und das teilweise auch tun. Auch in der A oder B Klasse würden sich einige sicher behaupten können. Diese Leute gehören in den Block A und dann noch die, die da zumindest mithalten können oder genügend Erfahrung haben, sich in einem schnellen Feld zu bewegen. Aber nur weil man sich früh anmeldet oder "Stammkunde" ist, hat man da nichts verloren. Natürlich versucht man Stammkunden zu belohnen und falsch ist das ja auch nicht. Jemand der schon ein paar Jedermannrennen gefahren ist, gehört sicher eher in einen Block C oder vielleicht auch B, als jemand mit vielleicht einem oder noch gar keinem Rennen. Aber eben nicht nach A. Da muss man schon mal die nötige Leistung gezeigt haben.
    Auch das Argument "Seit 10 Jahren starte ich immer aus Block A" verfängt bei mir nicht. Wer aus Block A startet, sollte im Ergebnis auch so ankommen dass man das sieht und er nicht einfach nur "mitgerollt" ist. Wer aus A startet und gerade so unter den TOP 300 am Ende landet, der muss verstehen, dass er vielleicht mal Platz für andere machen muss, die im letzten Jahr vielleicht aus C gestartet sind und am Ende auf Platz 210 waren. Das gibt aber immer mit die meisten Diskussionen. Als ob es das Recht auf einem Stammplatz geben würde.
    Auch beliebt ist das Argument: "Ihr habt unser Team komplett auf die Startblöcke verteilt. Das darf doch nicht sein. Schau mal, 2 von uns starten aus A, dann sollten die anderen doch auch aus A starten!!!". Nein, sollten sie eben nicht. Wenn das Argument greifen würde, dann würde sich so Mancher einfach eine Granate suchen die aus A startet, mit dem ein Team machen und wir hätten ein paar Dutzend im Block A, die da absolut nichts verloren haben.
    Ihr glaubt aber nicht, wie oft ich mich habe anmotzen lassen müssen mit "Ich würde auf das Podium fahren! Garantiert! Aber ihr macht mir das mit dem Startblock kaputt. Das ist Wettbewerbsverzerrung!!! Skandal!!". Das sagen irgendwie nie die unter 1. genannten Leute, sondern immer die NoNames. Da kann man nur antworten "Zeig mal was Du kannst. Jeder musste sich am Anfang mal hinten anstellen und wenn Du wirklich so ein guter Rennradfahrer bist, dann startest Du im nächsten Jahr auch aus Block A." Aus Interesse hab ich mir ein paar der Mauler mal im Ergebnis angeschaut. Einige haben sich tatsächlich einen Start im nächsten Jahr aus Block A erfahren. Respekt! Aber nur ein paar wenige. 

  3. Die "Kann man machen, muss man aber nicht"-Fälle
    Davon gibt es auch immer ein paar und wenn die Leute die richtigen Argumente haben und dazu noch nett sind, schiebt man sie gerne einen Block nach vorne.
    Diese Fälle kommen meist einfach dadurch zu Stande, dass man irgendwo die Grenze ziehen muss. Wenn dann eine ganze Menge sehr starker Leute am Start sind und es dadurch nicht für Block A oder B gereicht hat und sie ganz knapp dran vorbei sind, dann kann man da durchaus drüber diskutieren. Bei Argumenten wie "Schau mal, der Rest meines Teams bis auf mich steht in B. Meinst nicht da geht was ..." kann man das in so einem Fall dann auch vertreten. Oft sind die Teamkollegen halt ein wenig mehr gefahren oder sind in einer dankbareren Altersklasse und das geht schon. Gibt aber auch Fälle wo man sagen muss "Sorry, da geht dieses Jahr leider nichts mehr".

Auf jeden Fall sind die Startblockdiskussionen immer sehr "abwechslungsreich". Gab in diesem Jahr knapp 30 Fälle die wir umsortiert haben. Bei mehr als 4.000 Startern ist auch das eine sehr erfreuliche Quote ;) Gibt natürlich ein paar, die zwar unzufrieden waren, sich aber nicht gemeldet haben - aber hoffentlich nicht zu viele.

Vom Rennen selber hab ich dann wieder nix mitbekommen. Von 11 bis 16 Uhr hab ich im Medienbus gehockt und die reinkommenden Ergebnisse verarbeitet. Der Zeitnehmer war ja Mikrofunk und die machen immer einen sehr guten Job. Da war es recht leicht die Ergebnisse anzuzeigen - aber schon wieder was anderes die Ergebnisse in der Rangliste zu verarbeiten. Münster war das letzte Rennen und die 4.000 Ergebnisse mussten mit allen vorangegangen GCC-Rennen auf die Personen vereint und dann berechnet werden. In der Regel ist das kein Problem, aber es war das letzte Rennen und bei einigen Plätzen wurde es richtig, richtig eng. Da rechnet man lieber doppelt und dreifach, ehe man am Ende einen Fehler und den Falschen auf dem Podium stehen hat. Kurz: Das hat mich ein paar graue Haare gekostet und für das nächste Jahr hab ich mir schon ein paar Verbesserungen überlegt. Das muss einfach technisch besser unterstützt sein und das kriegen wir auch hin.

Da hab ich jetzt wieder eine ganz schöne wall of text zusammengeschrieben und soll auch jetzt gut sein. Der Sparkassen Münsterland Giro ist aber auch immer jedes Jahr eine geile Veranstaltung. Einfach super wie die Stadt und die Region hinter dem Sport stehen und wie toll diese Großveranstaltung organisiert ist. Hammer!

Apropos Radsport und Beliebtheit: Schaut Euch mal an was da im Zielbereich los war. Rechts sind die Tribünen zu sehen und die waren auch rappelvoll. Aber laut ARD und ZDF gibt es in Deutschland ja kein Interesse mehr am Radsport. Mhhh, genau!

Aufgenommen vom Dach des Rennleitungswagen an der Ziellienie. Radsport interessiert ja keinen mehr ... wie man sieht.

 

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